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Telemedizin ist bereit |
Obwohl die Telemedizin weitgehend ausgereift ist, kann man sie kaum im Echtbetrieb wieder finden, denn es fehlt noch an Akzeptanz, Rechtssicherheit, technischer Interoperabilität und Abrechnungsmodellen. Doch Brüssel drängt jetzt auf eine konzertierte Aktion. Klaus Theo Schröder, Staatssekretär aus dem Bundesministerium für Gesundheit betonte bei der Eröffnung des Telehealth-Kongresses im März die Wichtigkeit der Telemedizin im Gesundheitswesen. So könne das Versorgungsniveau des Gesundheitssystems nur mit Hilfe von Telemedizin aufrechterhalten werden. Aber die Telemedizin solle nicht nur den Medizinern überlassen werden, denn mit beinahe 4,5 Mio. Beschäftigten und einem Volumen von 260 Mrd. Euro erwirtschaftet die Gesundheitswirtschaft in Deutschland rund 11 % des Bruttoinlandprodukts. Die zahlreichen Möglichkeiten der Telemedizin wurden erst kürzlich anhand der Cebit aufgezeigt. Doch die alltägliche Praxis sieht anders aus, denn die Gesundheitsbranche schöpft die Ressourcen von IT, Datenübertragung und Vernetzung längst nicht so aus, wie es andere Branchen tun. So beträgt der Rückstand zur Automobilindustrie beispielsweise etwa zehn Jahre. In vielen Arztpraxen, Kliniken usw. stehen zwar Computer, doch diese sind meist nur ungenügend integriert. Letztendlich liegt das Problem bei der Fragmentierung des Marktes und am fehlenden Wettbewerb. Es besteht kaum eine Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten des fragmentierten Gesundheitsmarktes. Doch dieses Phänomen zeigt sich in ganz Europa. Und so fordert nun die EU in der Mitteilung „Über Nutzen der Telemedizin für Patienten, Gesundheitssysteme und die Gesellschaft“ konkrete Maßnahmen von ihren Mitgliedstaaten. Obwohl v. a. die Versorgung chronisch kranker Patienten erleichtert werden könnte, sterben immer mehr Pilotprojekte nach Ablauf ihrer Förderung ab. Insider nennen das „Pilotitis“. So möchte die EU nun ihre Mitgliedstaaten konkret dabei unterstützen, telemedizinische Dienste in großem Maßstab umzusetzen. Brüssel konzentriert sich dabei auf drei Aspekte, die als „strategisches Maßnahmebündel“ bezeichnet werden: - Schaffung von Vertrauen in telemedizinische Dienste und den Aufbau von Akzeptanz
- Schaffung von Rechtssicherheit
- Klärung technischer Fragen und Erleichterung der Marktentwicklung
Viele kleinere Untersuchungen haben bereits belegt, dass die Telemedizin und Telemonitoring eine große Chance für die Behandlung chronischer Krankheiten darstellen. Die EU möchte nun eine große Studie durchführen, um die Akzeptanz und das Vertrauen von Patienten und Medizinern in die Systeme zu stärken. Außerdem müsste ein flächendeckender Zugang zum Breitbandnetz geschaffen werden, damit Telemedizin für alle ein öffentliches Gut wird. Internationale Normungsgremien und Unternehmen werden aufgefordert, bis Ende 2010 einen Vorschlag für die Interoperabilität von Telemonitoring-Systemen vorzulegen. Die Fragmentierung des Marktes soll durch Spezifikationen für Telemonitoring-Geräte vermieden werden. Der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik VDE hat in Deutschland einen Standard für telemedizinische Zentren entwickelt, der nun möglicherweise EU-weit zum Einsatz kommen soll. Eine weitere Herausforderung ist dann die Integrierung der Telemedizin in die Abrechnungsmodelle des Gesundheitssystems. | |
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